Die Fahrausbildung in Deutschland ist durch Gesetze und Verordnungen sehr genau geregelt. Man könnte
denken, die Ausbildung sei in jeder Fahrschule gleich. Leider trifft das nicht zu. Viele Fahrschulen stehen im Wettbewerb zueinander. Folglich gibt es sehr wohl – und manchmal sogar gewaltige – Unterschiede.
01. Was ist dir wirklich wichtig?
Zu Beginn sollte man sich zunächst darüber klar werden, worauf man persönlich in der Fahrausbildung besonderen Wert legt: Vielleicht sind es die Wochentage und die Uhrzeiten oder die Häufigkeit an denen Theorieunterricht gehalten wird? Die Zeiten des Theorieunterrichts müssen schon in den persönlichen Terminkalender passen, immerhin sind z.B. für den Ersterwerb des Autoführerscheins (Fahrerlaubnisklasse B) mindestens 14 mal à 90 min. Theorieunterricht Pflicht. Wer beispielsweise donnerstags abends regelmäßige Veranstaltungen besuchen muss, sollte sich besser nicht eine von den Fahrschulen aussuchen, in der nur donnerstags Theorieunterricht gehalten wird. Da wird man schon der Termine wegen nicht glücklich werden können. An dieser Stelle sollte man sich eine Liste von Fahrschulen anlegen, die nach den bisherigen Kriterien in Frage kommen könnten. Bekommt man auch praktische Stunden, die in den Zeitplan passen? Denn Fahrlehrer dürfen nur eine begrenzte Stundenzahl pro Tag praktischen Fahrunterricht erteilen, ein übermüdeter Fahrlehrer wäre das Geld schließlich nicht wirklich wert. Sonntagsarbeit oder gar an Feiertagen ist nicht gestattet.
02. Check die Ausbildungsqualität!
In weiteren Schritten sollte man die „Qualität der Ausbildung“ genauer erkunden! Gütesiegel sind Märchen und es gibt sie grundsätzlich nicht! In Deutschland hat keine Fahrschule ein echtes „Qualitätssiegel für vorbildliche Fahrausbildung“. Die bloße Mitgliedschaft des Fahrschulinhabers in einem der zahlreichen Fahrlehrerverbände sagt über Art und Qualität der Ausbildung in seiner Fahrschule leider noch überhaupt nichts aus. Im Gegenteil, es wurden sogar schon „Fachverbände für Fahrschulen“ entdeckt, die interessanterweise lediglich eine einzige Mitgliedsfahrschule aufzuweisen hatte. Soviel zur Verwendung und zur Aussagekraft von Gütesiegeln bei Fahrschulen. Des Weiteren wird oft betont, dass die Fahrschule als „Ausbildungsfahrschule für Fahrlehrer“ anerkannt ist oder eine „Zertifizierung“ besitzt! Auch diese Tatsachen sagen nichts über die Qualität der Fahrschule aus.
03. Wie gross ist die Fahrschule?
Ein aufmerksamer Laie kann aber sehr wohl und durch eigene Beobachtung Indizien für gewissenhafte Ausbildung in Fahrschulen erkennen: Qualitativ hochwertige Fahrschulen erkennt man oft an ihrer Zugehörigkeit an Franchise Unternehmen oder deren Gesamtgröße. Diese Fahrschulen unterliegen fast immer einer eigenen Qualitätsüberwachung. Ein weiterer Aspekt kann der Umfang der angebotenen Ausbildungen sein. Sollte der Fahrlehrer oder Inhaber sogar als nationaler oder internationaler Fachmann gefragt sein, so kann hier von einer enorm hohen Qualität der Ausbildung ausgegangen werden! Frag’ einfach nach dem Handwerkszeug und hoff’ auf eine ehrliche Antwort. Letztlich sind auch hier alle getätigten Aussagen überprüfbar... Fahrschulen, die an Forschungsprojekten teilnehmen, können ebenfalls weniger in die Gruppe der nicht geeigneten Fahrschulen eingegliedert werden, da bei solchen Fahrschulen von einer der höchsten Ausbildungskompetenzen ausgegangen werden darf!
04. Check die ganzen Websites!
Das Internet gibt erste Eindrücke einer Fahrschule wieder. Auf der Homepage der Fahrschule solltest du Auskunft über die wichtigsten Fragen und Kontaktmöglichkeiten finden. Internetauftritte sind auch für Fahrschulen Visitenkarten und sollten dem heutigen Standard entsprechen.
05. Wird am Thema gearbeitet?
Werden im Theorieunterricht nur Fragebögen gepaukt oder arbeiten die Fahrschüler mit ihrem Fahrlehrer tatsächlich am Thema, welches auch nicht der letzte Urlaub des Fahrlehrers sein sollte!? Wie schätzt man das Bemühen eines Fahrlehrers ein, der während der Ausbildungsfahrt seine Zeitung liest? Bleibt der Fahrlehrer sachlich oder schreit er oft einfach mal los und beleidigt dabei sogar?
06. Nicht einfach auf Opa hören.
Es mag ja recht nett sein zu wissen, wo Großvater vor 40 Jahren seinen Führerschein gemacht hat. Nur dürfte sein damaliger Fahrlehrer vermutlich schon lange in Rente sein. Sollte es am Ende in dieser Fahrschule auch heute noch genauso aussehen wie vor 40 Jahren, dann ist davon eher abzuraten. Immerhin hat sich ja seitdem verkehrs- und kraftfahrtechnisch einiges verändert, was an einer Fahrschule nicht einfach spurlos vorüber gegangen sein sollte.
07. Werde ich wirklich gefördert?
Wie sieht der Unterricht aus, werde ich umfassend gefördert? Um das festzustellen, sollte man eine Theorie-Lektion zur Probe besuchen oder eine Fahrstunde als Zuschauer mitfahren dürfen, und zwar bevor man einen Ausbildungsvertrag unterschreibt. Gute Fahrschulen haben detaillierte Ausbildungspläne ausliegen und ein interessierter Kunde bekommt sie selbstverständlich auch erläutert. Es gibt auch Fahrschulen, die Probefahrstunden anbieten.
08. Wie läuft die Praxis ab?
Wie laufen die praktischen Fahrstunden ab? Üblicherweise höchst individuell! Denn das sollte sich nach dem Ausbildungsstand des Fahrschülers richten. Was zumindest auf keinem Lehrplan steht, sind Einkaufs- und Besorgungsfahrten für den Fahrlehrer. Den vorherigen Fahrschüler gelegentlich nach Hause zu fahren muss nicht unbedingt im Widerspruch zu den gesteckten Ausbildungszielen stehen.
09. Bekomme ich antworten?
Bekomme ich kompetente Antworten auf meine Fragen? Bekommt man auch schon als Interessent qualifizierte Auskünfte? Es ist sicherlich angenehm, bei Keksen und Kaffee mit einer „Bürofee“ nett zu plaudern, aber muss man für die wirklich wichtigen Fragen warten bis „der Chef“ mal da ist?
10. Wie sieht der Fuhrpark aus?
Nicht ganz so wichtig, aber bestimmt nicht ganz uninteressant! Auf welchen Fahrzeugen kann ich lernen? Ein beulenfreies, sowie innen und außen gepflegtes, technisch auf aktuellem Niveau befindliches Automobil darf man in jeder Fahrschule mindestens erwarten. Für manchen Fahranfänger kann es jedoch durchaus ebenso ausschlaggebend sein, wenn das Fahrschulauto dem späteren eigenen Fahrzeug in Größe und Motorisierung ähnlich ist. Werden technische Hilfen, wie z.B. Parksensoren, Kameras, Servolenkung usw. eingesetzt, oder versucht man hier schon die Ausbildung künstlich zu strecken?